Warum Österreich bei Königgrätz 1866 verlor

Beitragsbild Königgrätz

Königgrätz 1866 beschreibt eine entscheidende Schlacht im Deutschen Krieg nahe der böhmischen Stadt Königgrätz am 3. Juli 1866. Die preußische Armee besiegte die Armeen von Österreich und Sachsen. Rund 400.000 Soldaten bekämpften sich in dieser verlustreichen Schlacht. Wir werfen einen Blick auf die preußische und die österreichische Armee sowie auf den Verlauf der Schlacht und sehen uns an, wie das Ganze ausging und welche Folgen es hatte.

Moltke bündelt die Armeen

Der Chef des Generalstabs, General Helmuth von Moltke, hatte für die Preußen ein weiträumiges Zangenmanöver ausgearbeitet. Entgegen den traditionellen strategischen Plänen sollte getrennt marschiert und dann vereint zugeschlagen werden. Ende Juni 1866 wurden drei Armeen in Marsch gesetzt: die 1. Armee unter Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen, die 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm und die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld. Diese groß angelegte Bewegung sollte letztlich die gesamte österreichische Streitmacht umfassen. Insgesamt bewegten sich auf preußischer Seite rund 254.000 Mann.

Die preußische 2. Armee rückte in drei Heersäulen vor, teils aus der Grafschaft Glatz über Braunau sowie auf der Landeshuter Straße nach Liebau. Am 27. Juni wurde das preußische I. Korps bei Trautenau durch das österreichische X. Korps unter Feldmarschalleutnant Ludwig von Gablenz geschlagen und musste auf Goldenöls zurückgehen. Darauf übernahm das über Eypel anrückende Gardekorps die Vorhut und schlug Teile des österreichischen IV. Korps bei Soor und Burkersdorf. Gleichzeitig warf das V. Korps unter General Steinmetz bei Nachod das österreichische VI. Korps zurück, besiegte am 28. Juni bei Skalitz das herangeführte VIII. Korps unter Erzherzog Leopold und stieß auch bei Jaromierz und Schweinschädel erfolgreich vor.

Die preußische 1. Armee schlug den Gegner bei Turnau und Podol und stellte die Verbindung mit der Elbarmee an der Iser her. Diese hatte Sachsen und das österreichische I. Korps bei Münchengrätz geschlagen. Am 29. Juni folgte der Erfolg bei Gitschin gegen das sächsische Korps unter Prinz Albert. Im Raum Königinhof war am 30. Juni die Vereinigung mit der Armee des Kronprinzen erreicht. Damit standen rund 220.000 Mann bereit – auch wenn etwa 60.000 von ihnen in der Schlacht selbst nicht mehr rechtzeitig eingreifen konnten.

Benedek und die Nordarmee

Auf österreichischer Seite wurde Feldzeugmeister Ludwig von Benedek zum Oberbefehlshaber der Nordarmee berufen. Er war bekannt durch seine militärischen Erfolge in den Feldzügen in Italien 1848 und 1859. Auf den böhmischen Kriegsschauplätzen verfügte er jedoch über keine Erfahrung und versuchte zunächst, das Amt abzulehnen, musste sich aber der Entscheidung Kaiser Franz Josephs beugen. Die österreichischen Vorhuten hatten bereits schlechte Erfahrungen mit dem preußischen Zündnadelgewehr gemacht, daher entschied sich Benedek, die Hauptstreitkräfte auf den Hügeln zwischen Bistritz und Elbe zu positionieren. Die Festung Königgrätz dahinter sollte im Notfall Deckung geben.

Die Österreicher verfügten über sieben Korps, von denen drei durch die Vorkämpfe schon stark beeinträchtigt waren, sodass auf den Höhenstellungen sich etwa 190.000 Mann versammelt hatten. Am linken Flügel standen die Sachsen mit rund 22.000 Mann unter Kronprinz Albert bei Problus. Ihre Divisionen waren zwischen Problus, Lubno, Popowitz und Tresowitz gestaffelt, Reserven lagen im rückwärtigen Raum. Das österreichische VIII. Korps sicherte weiter außen die Stellung gegen eine Umgehung, während Kavallerie die Verbindung zu den Nachbarkorps hielt.

Im Zentrum vereinigte Benedek etwa 44.000 Mann mit 134 Geschützen. Hier standen das X. Korps unter Gablenz und das III. Korps unter Erzherzog Ernst auf den Höhen von Lipa und Chlum. Der rechte Flügel lehnte sich mit dem IV. und II. Korps bis an die Elbe. Dahinter hielt Benedek mit dem I. und VI. Korps über 60.000 Mann und mehr als 300 Geschütze in Reserve. Mit diesen Verbänden wollte er bei Königgrätz 1866 zum Gegenangriff übergehen, sobald der preußische Angriff in seiner vorderen Stellung festlief.

Der Morgen der Schlacht

Am 3. Juli gegen 4 Uhr morgens begann der Anmarsch der preußischen 1. Armee unter Friedrich Karl zur Bistritz. Links erreichte die 7. Division Cerekwitz, in der Mitte rückte die 8. Division unter General August von Horn als Vorhut auf Klenitz vor, rechts davon gingen die 3. und 4. Division auf Dohalitz und Mokrowous vor. Dahinter folgten in zweiter Linie die 5. und 6. Division in Richtung Sadowa.

Schon am Swiep geriet die Vorhut der Division Horn in ein Artillerieduell mit den Geschützen des österreichischen X. Korps. Beim Versuch, die Bistritz zu überschreiten, verließen die Korpskommandanten Festetics und Thun eigenmächtig ihre Stellungen und gingen nach Westen vor. Dadurch entstand nördlich eine Lücke in der österreichischen Front – genau dort, wo später die preußische 2. Armee angreifen sollte.

Am Vormittag hatten die Österreicher nur die preußische 1. Armee vor sich. Die Armee des Kronprinzen war noch im Anmarsch, auch die Elbarmee hatte die Bistritz bei Nechanitz noch nicht überschritten. Der Druck auf die zahlenmäßig unterlegenen preußischen Truppen vor Ort nahm damit deutlich zu. Im Swiepwald entwickelte sich ein schwerer Kampf. Die preußische 7. Division unter Generalmajor Eduard von Fransecky verschanzte sich im Gehölz und versuchte in verlustreichen Gefechten die Angriffe zweier österreichischer Korps abzuwehren. Ohne Artillerievorbereitung griffen die Österreicher den Wald an. Graf Festetics wurde durch eine Granate schwer verwundet, Feldmarschalleutnant Mollinary übernahm die Führung. Die 7. Division wurde fast aufgerieben, konnte aber den Gegner ebenfalls hohe Verluste zufügen.

Auch an anderen Abschnitten stockte der Angriff. Im Holawald rannte sich die preußische 8. Division fest und musste durch die herangeführte 4. Division verstärkt werden. In dieser Phase schien sich das Schlachtenglück bei Königgrätz 1866 den Österreichern zuzuwenden. Im preußischen Hauptquartier wuchs der Unmut über den Aufmarschplan Moltkes, selbst König Wilhelm I. und Bismarck fürchteten eine Niederlage. Noch kämpfte die 1. Armee allein, und die Entscheidung war völlig offen.

Die Wende bei Chlum

Gegen Mittag tauchten auf der Höhe bei Horenowes die ersten Einheiten der preußischen Garde auf. Es war die Avantgarde der 2. Armee des Kronprinzen. Damit griff der Teil des Plans, der am Vormittag noch wie ein Risiko gewirkt hatte. Während die 1. Armee im Swiepwald gebunden war und die Elbarmee von Südwesten über die Bistritz ging, traf nun der Angriff aus dem Norden ein. Die preußische 1. Garde-Division rückte über Maslowed gegen Chlum vor und bedrohte den Rücken der österreichischen Stellung.

Für Feldmarschallleutnant Thun bedeutete das einen sofortigen Richtungswechsel. Große Teile seines Korps mussten aus den Kämpfen im Westen herausgelöst und nach Osten geführt werden. Damit brach die österreichische Linie im Swiepwald zusammen. Hinter der Garde folgten das I. und V. Korps sowie die Divisionen des VI. Korps und drückten in die rechte Flanke der Nordarmee. Gleichzeitig setzte sich am Südabschnitt die Elbarmee gegen die Sachsen bei Problus durch.

Benedek versuchte bei Chlum persönlich einen Gegenangriff zu führen. Die herangeführte Reserve, vor allem das VI. Korps, kam im Nahkampf noch einmal dicht an den Ort heran, konnte ihn aber nicht halten. Auch die Angriffe der Kavallerie bei Stresetitz und Rosberitz änderten nichts mehr am Verlauf. Am Nachmittag drohte die Einschließung der gesamten Armee. Gegen vier Uhr gab Benedek die Schlacht verloren und befahl den Rückzug auf Königgrätz. Damit war die Entscheidung gefallen.

Gründe und Folgen

Die Niederlage Österreichs bei Königgrätz 1866 hatte ihre Ursachen nicht nur auf dem Schlachtfeld. Bereits im Vorfeld wirkte sich die Friedenspolitik mit einer massiven Abrüstung aus. Unter Finanzminister Ignaz von Plener wurden Mittel vom Militär zu den zivilen Ressorts verschoben. 93 Kavallerieeskadronen und 51 Batterien der Artillerie wurden aufgelöst, Depotvorräte nicht ergänzt, erfahrene Offiziere jahrelang außer Dienst gestellt.

Gleichzeitig überlastete die Sparpolitik die Stäbe, weil Zwischeninstanzen wegfielen. Selbst die Einführung des Zündnadelgewehres wurde aus budgetären Gründen verschoben. Dazu kam der seit 1. Juli laufende Austausch der wichtigsten Berater Benedeks und eigenmächtige Gefechte von Unterführern, besonders im Swiepwald, die die Front zerrissen.

Nach der Schlacht setzten die preußischen Armeen sofort nach. Die 1. Armee marschierte auf Brünn, die 2. Armee auf Olmütz, die Elbarmee über Iglau nach Znaim. Mitte Juli standen die Preußen bereits im nördlichen Vorfeld von Wien bei Stockerau und Gänserndorf. Am 26. Juli wurde der Vorfriede von Nikolsburg geschlossen, am 23. August folgte der Friede von Prag.

Politisch hatte die Niederlage weitreichende Folgen. Österreich musste Venetien abtreten, der Deutsche Bund löste sich auf, Preußen annektierte mehrere deutsche Staaten und gründete den Norddeutschen Bund. Die Monarchie geriet innenpolitisch unter Druck und musste 1867 dem Ausgleich mit Ungarn zustimmen. Auch international wurde die Schlacht als markanter Einschnitt gesehen – in Paris entstand der Ruf „Revanche pour Sadowa“.

Benedek wurde seines Amtes enthoben und zum Schweigen verpflichtet. Heute wird die Niederlage differenzierter gesehen: Seine Taktik, die Preußen im Nahkampf zu binden, funktionierte zunächst – bis der eigenmächtige Gegenangriff im Swiepwald die Entscheidung erzwang.

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