Erster österreichischer Türkenkrieg 1526

Beitragsbild 1. Türkenkrieg

Schlacht bei Mohács

Im Frühjahr 1526 marschiert Sultan Süleyman I. nach Westen. Sein Ziel ist es, Ungarn zu unterwerfen und damit den Weg nach Mitteleuropa zu öffnen. Schon im Jahr 1521 haben die Osmanen Belgrad erobert, das wichtigste Tor nach Ungarn. Danach fallen Grenzfestungen entlang der Donau. In Ofen, dem späteren Buda als westlich der Donau und am rechten Flussufer liegenden Stadtteil des heutigen Budapest, sitzt König Ludwig II., während sich südlich der Grenze eine der schlagkräftigsten Armeen der damaligen Welt sammelt. Der junge König ist politisch isoliert und Unterstützung aus dem Reich bleibt weitgehend aus. Sowohl sein Schwager Kaiser Karl V. als auch Ferdinand I. wurden von Ludwigs Frau um Unterstützung gebeten, die aber nie kam.

Im April 1526 setzt sich das osmanische Heer in Bewegung. Zeitgenössische Quellen sprechen von etwa 60.000 bis 70.000 Soldaten. Voraus marschiert Großwesir Ibrahim Pascha. Am 12. Juli fällt die Stadt Peterwardein in Serbien. Die ungarische Mobilmachung beginnt viel zu spät. Erst im Juni sammeln sich die Truppen. Etwa 28.000 Mann stehen schließlich bereit. Es fehlt an Geld, an erfahrenen Kommandanten und vor allem an Zeit. Der Papst schickt rund 4.000 Söldner. Mehr Hilfe kommt nicht.

Am 29. August 1526 treffen beide Heere bei Mohács, im südlichen Ungarn, aufeinander. Die Ungarn greifen früh an, noch bevor das eigene Heer vollständig aufgestellt ist und werden von den Osmanen in einen Hinterhalt gelockt. Die osmanische Artillerie eröffnet das Feuer und Panik setzt ein. Die fliehenden Ungarn werden in die Sümpfe getrieben. Am Ende sind 12.000 ungarische Kämpfer enthauptet und König Ludwig II. ertrinkt in einem Bach. Seine Leiche wird 2 Monate später gefunden. Das Dorf Mohács wird niedergebrannt und Teile der Zivilbevölkerung werden getötet.

Thronkampf um Ungarn

Nach der Schlacht von Mohács ziehen die Osmanen weiter und erreichen am 10. September Ofen. Dort wird die königliche Residenz geplündert. Zwei Wochen später wurde der Stadtteil Pest in Brand gesteckt. Über Belgrad sind die osmanischen Truppen danach wieder abgerückt. Ungarn war damit politisch Tod und auch wenn das Land von den Angreifern nicht besetzt wurde, haben sie doch nachhaltige Veränderung hinterlassen.

Zwei Männer beanspruchen die ungarische Krone. Der eine ist Johann Zápolya, einer der mächtigsten Ungarischen Aristokraten und Verbündeter der Osmanen. Der andere ist Ferdinand I. aus dem Haus Habsburg, Schwager des gefallenen Königs Ludwig II. und Erzherzog von Österreich. Beide berufen sich auf Rechte und Verträge. Hinter beiden stehen bewaffnete Anhänger. Aus einem Thronstreit wird ein Krieg. Zápolya lässt sich im November 1526 zum König wählen. Viele ungarische Adelige unterstützen ihn, weil sie keinen Habsburger auf dem Thron wollen. Ferdinand reagiert sofort. Auch er wird im Dezember 1526 zum König gekrönt. Ungarn besitzt nun zwei Könige gleichzeitig. Das restliche Europa erkennt je nach eigenem Interesse entweder den einen oder den anderen an.

1527 marschiert Ferdinand mit etwa 11.000 Soldaten nach Ungarn. Den Oberbefehl führt Markgraf Kasimir von Brandenburg. Die habsburgischen Truppen nehmen Ofen nahezu kampflos ein. Zápolya wird Im September 1527 bei Tokaj geschlagen und muss außer Landes fliehen. Ferdinand scheint gewonnen zu haben. Doch genau hier unterschätzt Wien die Lage. Zápolya besitzt einen entscheidenden Vorteil: Er kann den Sultan um Hilfe bitten.

Für Sultan Süleyman I. ist das eine Einladung, sich dauerhaft in Ungarn einzumischen. Aus einem innerungarischen Machtkampf wird nun ein Konflikt zwischen Habsburgern und Osmanen. Die Grenze des Osmanischen Reiches rückt Schritt für Schritt näher an Österreich heran.

Wien 1529

Im Mai 1529 verlässt Sultan Süleyman I. mit seinem Heer Konstantinopel mit dem Ziel, dass Johann Zápolya wieder die Kontrolle über Ungarn erhalten soll. Gleichzeitig kann der Sultan den Habsburgern damit zeigen, wie weit die Macht der Osmanen inzwischen reicht. Der Feldzug entwickelt sich rasch zu einer direkten Bedrohung für Österreich. Auf dem Weg nach Westen nehmen die Osmanen im August erneut Ofen ein. Zápolya wird dort feierlich als König bestätigt. Danach marschiert das Heer weiter Richtung Wien.

Die osmanische Armee zählt etwa 120.000 bis 150.000 kämpfende Männer. Dazu kommen Händler, Diener und Handwerker. Insgesamt war die Armee ca. 270.000 Mann stark. In Niederösterreich lösen die Nachrichten Panik aus. Bauern fliehen hinter Stadtmauern. Mit Feuersignalen wird vor dem Vormarsch gewarnt. Wien bereitet sich auf die Belagerung vor.

Die Verteidigung der Stadt übernimmt Niklas von Salm. Ihm stehen etwa 17.000 Mann zur Verfügung. Darunter sind deutsche Landsknechte, spanische Soldaten und bewaffnete Bürger. Die Stadtmauern werden verstärkt, Häuser außerhalb der Mauern abgerissen und Vorräte gesammelt. Am 27. September 1529 erreichen die Osmanen Wien. Damit beginnt die erste Wiener Türkenbelagerung.

Die Osmanen greifen mehrere Wochen lang an. Sie graben Minen unter die Mauern und versuchen Breschen in die Stadtmauer zu sprengen. Doch die Verteidiger schlagen die Angriffe immer wieder zurück. Verluste und schlechtes Wetter setzen dem Heer schwer zu. Mitte Oktober bricht Süleyman die Belagerung ab. Wien bleibt in Habsburger Hand. Für Europa ist das ein wichtiges Signal. Die Osmanen wirken mächtig, sind aber nicht unbesiegbar.

Grenzkrieg

Nach dem Rückzug von Wien endet der Krieg nicht. Im Gegenteil. Ab den 1530er Jahren verwandelt sich die Grenze zwischen Habsburgern und Osmanen in einen dauerhaften Krisenraum. Burgen, kleine Städte und Dörfer werden nun ständig angegriffen. Ab Mitte 1532 ziehen osmanische Reiterverbände immer wieder durch Niederösterreich und die Steiermark. Sie greifen überraschend an, plündern Höfe und verschleppen Menschen in die Sklaverei. Bis zu 200.000 Menschen sollen dabei das Leben oder die Freiheit verloren haben.

Die Habsburger reagieren mit dem Ausbau der sogenannten Militärgrenze. Entlang der gefährdeten Gebiete entstehen befestigte Linien aus Burgen, Wachtürmen und kleinen Garnisonen. Wehrhafte Bauern erhalten Land und persönliche Freiheiten, müssen dafür aber ständig bewaffnet bereitstehen. Aus Regionen wie Kroatien und Slawonien wird langsam ein militärischer Schutzgürtel gegen die Osmanen. Wien erkennt, dass Ungarn allein nicht mehr gehalten werden kann. Jetzt geht es darum, Österreich selbst zu schützen.

Sultan Süleyman zieht erneut Richtung Westen. Wieder scheint Wien bedroht zu sein. Doch diesmal trifft er schon früher auf stärkeren Widerstand. Ferdinand von Habsburg stellt mit der sogenannten Türkenhilfe ein Heer von insgesamt über 100.000 Mann auf. Davon abgeschreckt belagern die Osmanen statt Wien die kleine Festung Güns, im westlichen Ungarn. Die Verteidiger halten überraschend lange stand. Der Sultan zieht schließlich wieder ab.

Dreiteilung

Ein vorläufiger Frieden wurde 1533 zwischen Ferdinand I. und Suleiman I. in Konstantinopel geschlossen. Ungarische Gebiete wurden dabei aufgeteilt. Zwischen Ferdinand und Zápolya, bzw. seinen Anhängern, gab es in den folgenden Jahren immer wieder Auseinandersetzungen. 1538 wurde im Zuge des Friedensschlusses zwischen Ferdinand I. und Karl V. Zápolya als König anerkannt. Zápolya starb 1540.

Eigentlich hätte sein Gebiet laut früherer Vereinbarung an Ferdinand I. fallen sollen. Doch Zápolyas Anhänger rufen stattdessen seinen kleinen Sohn Johann Sigismund zum König aus. Sultan Süleyman II. unterstützt diese Entscheidung. Ferdinand versucht militärisch zu reagieren und lässt 1541 Ofen belagern. Die Stadt kann jedoch nicht gehalten werden. Als das osmanische Heer erscheint, ziehen sich die habsburgischen Truppen zurück. Die Osmanen übernehmen Ofen dauerhaft. Damit wird Mittelungarn direkt Teil des Osmanischen Reiches.

Ungarn ist nun dreigeteilt. Im Westen herrschen die Habsburger über das sogenannte Königliche Ungarn. Die Mitte des Landes mit Ofen bleibt osmanisch. Im Osten entsteht mit Siebenbürgen ein halb unabhängiger Vasallenstaat unter osmanischem Schutz. Keine Seite erreicht ihr ursprüngliches Ziel vollständig. Die Habsburger kontrollieren nicht ganz Ungarn. Die Osmanen erobern Wien nicht. Zurück bleibt ein Land zwischen zwei Großmächten.

Auch nach 1541 gehen die Kämpfe weiter. Städte wie Gran oder Temesvar werden umkämpft. 1566 stirbt Süleyman während der Belagerung von Szigetvár. Zwei Jahre später schließen Kaiser Maximilian II. und Sultan Selim II. den Frieden von Adrianopel. Der Kaiser erkennt die osmanischen Besitzungen in Ungarn an und zahlt Tribut. Der große Krieg endet vorerst. Doch die Grenze bleibt weiter ein Pulverfass und jeder weiß, dass der nächste Konflikt nur eine Frage der Zeit ist.

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