Leonidas und der Mythos von 300

Beitragsbild Leonidas 300

Vorgeschichte

Vor etwa 2.500 Jahren ist Griechenland noch nicht das Land, wie wir es heute kennen. Es besteht aus mehreren Stadtstaaten und Bündnissen, voll mit Rivalitäten und auch Misstrauen. Athen und Sparta sind die bekanntesten und größten Mächte in einer Zeit, in der jeder seine eigenen Ziele verfolgt. Während die Griechen teilweise untereinander rivalisieren, steht im Osten ein Reich, das in ganz anderen Größenordnungen denkt. Das Perserreich ist damals ein großes Imperium und reicht von Indien bis an die Küsten des Mittelmeers, von Ägypten bis in den Kaukasus. Wer sich ihm widersetzt, riskiert nicht nur eine Niederlage, sondern das Ende seiner Selbstbestimmung.

Die Vorgeschichte zum Kampf Persien gegen Sparta reicht zeitlich etwas zurück. An der Westküste Kleinasiens liegen griechische Städte wie Milet und Ephesos, die unter persische Herrschaft geraten. Etwa 500 vor Christus erheben sich dort mehrere Städte gegen den Großkönig aus Persien. Athen und Eretria schickten einige Schiffe und ein paar tausend Soldaten als Unterstützung gegen die Perser. Militärisch in ihrer Anzahl ist das eher gering, zeigt aber Unterstützung. Für Persien ist das ein Eingriff in seinen Machtbereich. Der Aufstand ist nach sechs Jahren niedergeschlagen. Dass den Aufständigen Unterstützung gesandt wurde, will man aber nicht auf sich sitzen lassen.

Der persische König Dareios reagiert mit einem Feldzug gegen die Unterstützer des Aufstands. Persische Truppen dringen vor bis in die heutige ostgriechische Stadt Marathon. Dort treffen die Perser auf das Heer Athens und werden überraschend geschlagen. Dieser Sieg stärkt das Selbstvertrauen der Griechen. Die Perser wollen die Sache aber so nicht auf sich sitzen lassen. Dareios beginnt mit neuen Vorbereitungen und stellt ein neues, noch größeres Heer auf. Als es zehn Jahre später loszieht, ist Dareios aber gestorben. Sein Sohn Xerxes ist neuer Großkönig und wählt den Weg über die Thermopylen nach Griechenland.

Xerxes

Das Heer, das sich in Bewegung setzt, ist eine Großmacht, die zeigen will, dass sie ihren Willen durchsetzen kann. Die Truppen kommen aus vielen Teilen des Perserreiches. Unter ihnen sind Perser, Ägypter, Baktrier aus Afghanistan, Soldaten aus Nordindien und auch Krieger aus anderen Teilen des großen persischen Reichs. Sie alle haben unterschiedliche Kampftechniken. Verglichen mit den Griechen hatte das persische Heer kürzere Speere. Diese sind einfacher im Kampf zu führen, sind im Nahkampf allerdings ein Nachteil. Vor allem gegenüber den langen Speeren der Griechen.

Der Marsch nach Westen ist sorgfältig vorbereitet. Xerxes lässt seine Truppen an Land in der Nähe des Meeres marschieren. Begleitet von rund 1.200 Schiffen, die die Küste entlang fahren und so Nachschub organisieren. In Griechenland wächst unterdessen der Druck. Die Griechen erkennen, dass die Perser das ganze Land bedrohen und dass sie sich dagegen wehren müssen. Am Isthmos von Korinth treffen sich Vertreter von 31 Stadtstaaten und schließen sich zum Hellenenbund zusammen.

Die Griechen sind zahlenmäßig den Persern unterlegen und sie entscheiden sich deshalb dafür, das Gelände nutzen zu wollen. Auf See soll die persische Flotte bei Artemision aufgehalten werden. Einer Meerenge zwischen der Insel Euböa und dem griechischen Festland. Dort sind auch die Thermopylen, die eine Landenge bieten, wo das Heer der Perser nicht ihre volle Angriffswucht ausspielen kann. Beide Schauplätze liegen nahe beieinander und sollen sich gegenseitig stützen.

271 Schiffe der Griechen nehmen Kurs auf die Meerenge. Deutlich weniger als die rund 1.200 Schiffe der Perser, aber im Vorteil aufgrund der Beschaffenheit des Landes. Unterstützt sind sie von etwa 7.000 Soldaten, darunter 300 Spartiaten. Mitunter ein Grund für die geringe Anzahl der griechischen Krieger sind Kritiker des Angriffs gegen die Perser. Sie verzögern die Entscheidung mit der Begründung, dass die Götter mehr gefürchtet werden müssen, als die Perser. Also sollten die Spiele von Olympia abgehalten werden und erst danach soll in die Schlacht gezogen werden.

Enger Pass

Mitte 480 vor Christus erreicht die Vorhut des persischen Heeres die Thermopylen. Dort stehen ihr bereits griechische Truppen gegenüber. Sie haben sich an einem Ort aufgestellt, der für ihre Verteidigung ideal ist. Heute sieht das Gelände anders aus. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Meer zurückgezogen und die Gegend ist versandet. Damals waren die Thermopylen aber ein nur schmaler Durchgang. Auf der einen Seite Gebirge und auf der anderen kam gleich das Meer.

Große Truppenmassen nützten dort wenig, wenn nur ein kleiner Teil gleichzeitig kämpfen kann. Auch Pferde und Fernwaffen verlieren in diesem Gelände einen Teil ihres Wertes. Die Griechen setzen genau darauf. Ihre schwer bewaffneten Hopliten – schwer bewaffnete Bürgersoldaten – sollen den Engpass halten und die Perser in einen Nahkampf zwingen. Dort haben die Griechen die besseren Karten.

Lange Speere, große Rundschilde, Helme, Brustpanzer und Beinschienen. Ihre Ausrüstung ist auf Schutz und Standfestigkeit ausgelegt. Vor allem aber kämpfen sie nicht einzeln, sondern geschlossen. Schild an Schild, Reihe an Reihe. Diese Formation macht sie auf engem Raum besonders gefährlich. Angeführt wird das Heer von spartanischen König Leonidas. Er steht an vorderster Front. Als die Perser eintreffen vergehen vier Tage ohne Kampf. Xerxes hofft auf eine Aufgabe der Griechen und fordert sie auf, die Waffen zu strecken. Leonidas antwortet darauf kurz: „Komm und hol sie dir“.

Kampf in den Thermopylen

Der Kampf beginnt. Xerxes eröffnet den Angriff mit den Bogenschützen, der großen Stärke der Perser. Laut Überlieferung sollen so viele Pfeile abgeschossen werden sein, dass sie die Sonne verdunkelt haben. Die Aussage eines Spartiat dazu war: „Dann kämpfen wir eben im Dunklen“. Nach den Bogenschützen schickt Xerxes reguläre Truppen ins Gefecht. Doch auch diese Angriffswellen werden von den Griechen abgehalten.

Xerxes´ Eliteeinheit und Leibwächter, die sogenannten Unsterblichen kommen nun zum Einsatz. Sie heißen Unterbliche, weil sie sofort ersetzt werden, wenn einer davon stirbt. Doch der Plan geht nicht auf und mehrere tausend Unsterbliche kommen in der Schlacht um. Die Perser müssen auf engem Raum angreifen und können ihre Überzahl einfach nicht ausnutzen. Der Plan der Griechen geht damit auf. Die Hopliten stehen dicht geschlossen, ihre langen Speere ragen nach vorne, die Schilde greifen ineinander.

Die Perser greifen immer wieder an, doch die Griechen halten stand. Ihre Verluste bleiben vergleichsweise gering, während auf persischer Seite viele Männer fallen. Der griechische Widerstand ist weit stärker, als es Xerxes erwartet haben dürfte. Aus einem schnellen Durchbruch wird ein zäher und blutiger Abnützungskampf. Die Schlacht dauert den ganzen Tag.

Auch am zweiten Tag ändert sich daran wenig. Die Griechen wechseln ihre Truppen in der Front ab und bleiben dadurch kampffähig. Die Perser drängen weiter nach, kommen aber nicht entscheidend voran. Für Xerxes wird das zu einem Problem. Ein König, der mit einer gewaltigen Armee nach Griechenland zieht, erwartet an so einem Pass keine tagelange Blockade durch ein paar tausend Gegner.

Niederlage

Während an Land bei den Thermopylen gekämpft wird, läuft auch auf See eine zweite Abwehrschlacht. Die Perser schaffen es nicht, mit ihrer Flotte in die enge Meerenge bei Artemision einzudringen und ihre volle Übermacht auszuspielen. Damit bleibt Xerxes zunächst auch an Land unter Druck. Der Plan der Griechen geht für kurze Zeit auf. Doch dann wendet sich die Lage. Auf griechischer Seite gibt es einen Verräter, der den Persern einen Pfad über das Gebirge zeigt. So können sie die Stellung bei den Thermopylen umgehen.

Eine persische Einheit von etwa 20.000 Mann macht sich in der Nacht auf den Weg. Den griechischen Kräften, denen sie unterwegs begegnet, weicht sie aus. Sei hat nur ein Ziel: den Angriff in den Rücken der Verteidiger. Als Leonidas von diesem Marsch erfährt, erkennt er, dass der Pass nicht mehr zu halten ist. Er entscheidet, die Stellung aufzugeben, und schickt den Großteil der Griechen nach Hause. Die 300 Spartiaten bleiben bei ihm, dazu einige andere Einheiten. Sie sollen den Gegner so lange wie möglich aufhalten.

Es ist soweit, die Perser greifen von zwei Seiten an. Etwa 800 Kämpfer stehen noch bei Leonidas, darunter die 300 Spartiaten. Er wartet nicht auf den Schlag des Gegners, sondern lässt seine Männer ostwärts vorrücken und greift frontal an. Das ist aussichtslos, aber klug. Die Perser, die von hinten herankommen, müssen nun ebenfalls nach Osten auf diesen Kampf nachrücken. So gewinnen die abziehenden Griechen zusätzliche Zeit. Leonidas fällt anschließend im Gefecht.

Die letzten Verteidiger ziehen sich auf den Kolonos, einen Hügel in den Thermopylen, zurück. Dort kommt es zur letzten Schlacht. Ein fast völlig zerschlagenes Heer versucht noch einmal, sich mit aller Kraft zu wehren, aber ohne Erfolg. Die Perser töten die verbliebenen Spartaner und entscheiden die Schlacht endgültig für sich. Xerxes lässt den Leichnam von Leonidas enthaupten und den Kopf auf einen Pfahl setzen. Danach marschiert er weiter nach Athen. Die Stadt ist inzwischen evakuiert, die Akropolis wird von den Persern in Brand gesetzt.

Doch der Feldzug endet nicht mit einem persischen Triumph. Ein Jahr später schlagen die Griechen die Perser zurück. Damit bleibt Leonidas zwar nicht als Sieger in Erinnerung, aber als ein Mann, der mit seinem Opfer geholfen hat, den Widerstand Griechenlands am Leben zu halten. Der Mythos um ihn und die 300 Spartaner lebt bis heute weiter.

Video

Schau in den Youtube-Kanal.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert