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Aufstieg und Rivalität
Im Vorfeld zur Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen, im 13. Jahrhundert, verändert sich Mitteleuropa rasant. Nach dem Ende der Babenberger im Jahr 1246 ist das Herzogtum Österreich ein begehrtes Erbstück zwischen den Ostalpen und Böhmen. Der böhmische König Ottokar II. Přemysl nutzt die Gelegenheit. Mit Geschick und Machtbewusstsein erweitert er sein Reich weit über die böhmischen Grenzen hinaus. Mähren, Österreich, Steiermark und Kärnten – Ottokar sammelt Kronländer, als wolle er ein neues Kaisertum errichten. Seine Herrschaft gleicht einem Machtblock im Herzen Europas.
Doch in Deutschland formiert sich Widerstand. Das Heilige Römische Reich ist seit Jahren geschwächt und ist zwischen Fürsten, Kirche und Thron zerrieben. Als 1273 ein neuer König gewählt wird, fällt die Entscheidung überraschend: Es wird nicht wie erwartet ein mächtiger Fürst, sondern ein mittlerer Graf aus der Schweiz – Rudolf von Habsburg. Für Ottokar ist das eine Beleidigung. Er erkennt Rudolf nicht an, verweigert den Lehenseid und hält stur an seinen Eroberungen fest.
Rudolf von Habsburg aber will das Reich festigen und die verlorenen Gebiete zurückholen. Er drängt Ottokar in die politische Isolation, sucht Verbündete unter den Fürsten und dem Papst. Der Konflikt eskaliert und es scheint keinen Ausweg mehr zu geben. Auf der einen Seite der selbstbewusste, fast königsgleiche Ottokar, auf der anderen der nüchterne Politiker Rudolf, der sein Ansehen durch Entschlossenheit formt. Die Rivalität der beiden Männer wird bald das Schicksal Mitteleuropas entscheiden.
Das Land im Umbruch
Die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts ist eine Zeit von Änderungen. Österreich, lange ein Bindeglied zwischen deutschen und slawischen Landen, steht unter fremder Herrschaft. Seit Ottokar II. die Macht übernommen hat, regiert er mit eiserner Kontrolle. Unter seiner Führung entstehen neue Burgen, Städte wachsen, Handel und Verwaltung werden straffer organisiert. Das Land erblüht wirtschaftlich – doch politisch sieht es schlecht aus. Viele Adelige fühlen sich übergangen, sehen in Ottokars Machtstreben eine Gefahr für ihre eigenen Rechte.
Gleichzeitig verschieben sich in Europa die Kräfteverhältnisse. Der Kaisertitel verliert an Autorität, das Papsttum mischt in den Thronfragen mit, und die Fürsten sichern sich ihre Einflusszonen. Österreich wird zum Spielball zwischen Prag, Wien und Mainz. In dieser Atmosphäre wächst das Misstrauen. Ottokar agiert wie ein König, aber zunehmend isoliert. Sein Versuch, sein Reich nach Süden und Westen auszudehnen, stößt auf Widerstand, vor allem von jenen, die Rudolfs Anspruch auf Ordnung und Einheit folgen.
Während die großen Mächte Bündnisse eingehen und Intrigen spinnen, verändert sich das Leben der Bevölkerung. Die einfachen Leute, Bauern und Händler spüren die Unruhe der Zeit. Neue Abgaben, Truppenbewegungen, Gerüchte über Krieg prägen den Alltag. Die Menschen wissen kaum, welchem Herrn sie künftig dienen werden. Es ist eine Phase wie in der Ruhe vor dem Sturm – das Land ahnt, dass die Ruhe trügerisch ist.
Die Heere am Marchfeld
Im Sommer 1278 zieht Krieg auf zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen. Wochenlang bereiten beide ihre Heere vor. Ottokar sammelt in Mähren seine bewährten Ritter und gepanzerten Reitern – kampferprobte Männer, stolz auf ihre Siege in Ungarn und Österreich. Sein Heer ist mächtig und gut ausgerüstet, aber schwerfällig. Rudolf dagegen stützt sich auf ein Bündnis aus Reichsfürsten und ungarischen Verbündeten. Unter ihnen reitet ein starker Verband ungarischer Leichtreiter, erfahren im schnellen Angriff und Rückzug. Zwei völlig unterschiedliche Heeresstrukturen stehen einander gegenüber – eiserne Schilde gegen schnelle Beweglichkeit.
Die Entscheidung fällt auf dem Marchfeld nördlich der Donau, zwischen den Orten Dürnkrut und Jedenspeigen. Eine weite, offene Ebene, die kaum Deckung bietet – ideal für Reitergefechte, aber gnadenlos für jeden, der die Übersicht verliert. Rudolf lagert südlich der March, während Ottokar von Norden her anrückt. Beide Lager stehen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Späher berichten von nächtlichen Feuern, Hörnern und Rüstungen, die im Morgengrauen blitzen.
Am 26. August stellen sich die Heere auf. Auf beiden Seiten sollen jeweils rund 30.000 Mann verfügbar gewesen sein. Für die Schlacht vorgesehen war aber nur ein kleinerer Teil, die berittenen Krieger der Armeen.
Entscheidung bei Jedenspeigen
Am Morgen des 26. August 1278 ritten die Heere von Rudolf und Ottokar aufeinander los. Ottokar setzte mit rund 6500 schweren Rittern auf Übermacht gegen Rudolfs leichtere Kavallerie und etwa 4500 Ritter. Rudolfs Heer bestand aus Kriegern aus der Steiermark und Kärnten, Teilen Deutschlands und der Schweiz. Zunächst schossen die 4000 kumanischen berittenen Bogenschützen unter Ladislaus auf Ottokars Flanke und demoralisierten den Gegner.
Die Hauptheere prallten zusammen. Ottokars Ritter zeigten ihre Überlegenheit, als Rudolfs Pferd fiel und der 60-Jährige stürzte – Heinrich Walter von Ramschwag rettete ihn. Nach drei Stunden Erschöpfung griff Rudolfs drittes Einheit ein. Sie spaltete Ottokars Linie, Ulrich von Kapellen traf die rechte Flanke hart.
Ottokar schickte seine Reserve unter Milota von Diedicz. Ein Teil missverstand den Befehl als Flucht, Panik breitete sich aus. Rudolfs Ruf „Sie fliehen!“ verstärkte die Auflösung. Viele Böhmen ertranken in der March oder fielen den Kumanen in die Hände. Am Ende gab es 12.000 Tote oder Gefangene, darunter auch der verstümmelte Leichnam von Ottokar selbst.
Folgen für Mitteleuropa
Rudolf stellte Ottokars Leichnam dreißig Wochen in Wien aus, um seine Macht zu zeigen. Er ordnete Böhmen diplomatisch, verschonte die Witwe von Ottokar, Kunigunde von Halitsch, und trennte sich von den plündernden Kumanen. Rudolf hat die von Ottokar besetzten Gebiete zurückgewonnen: Die Herzogtümer Kärnten und Steiermark und die Markgrafschaft Krain, im heutigen Slowenien. Auf dem Reichstag in Augsburg 1282 hat Rudolf I. seine Söhne Albrecht I. und Rudolf II. mit diesen Ländern belehnt.
Ladislaus IV. wurde von Papst Nikolaus III. dazu gedrängt, die Kumanen zum Christentum zu bekehren, was letztendlich aber nicht funktioniert hat. Im Jahr 1290 wurde er von ungarischen Adeligen während eines Festes mit den Kumanen ermordet. Vermutlich im Auftrag des Papstes. In Böhmen hat der Sohn Ottokars II., König Wenzel II., das Fürstentum Krakau übernommen. Ein Jahr nach seinem Tod im Jahr 1305 wurde sein Sohn, Wenzel III., ermordet und da es keine Nachkommen gab, starb das Geschlecht der Přemysl damit aus. Die Habsburger haben sich nach der Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen als neue Dynastie gefestigt. Diese sollte für die nächsten 640 Jahre – bis ins Jahr 1918 – halten.
Noch heute erinnert vieles an die Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen. Zwischen den beiden Orten steht ein fast sechs Meter hoher Gedenkstein im vermuteten Zentrum des ehemaligen Schlachtfeldes. Im Schloss Jedenspeigen zeigt eine Dauerausstellung die Ereignisse des Jahres 1278, mit Karten, Rüstungen und Modellen. Regelmäßig finden Mittelalterfeste und Ritterspiele statt, bei denen die Schlacht nachgestellt wird. Auch in Wien ist die Erinnerung präsent: Franz Grillparzer hat den Sturz Ottokars im Trauerspiel „König Ottokars Glück und Ende“ zum Thema gemacht.
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