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Der Funke von Havanna
Am 15. Februar 1898 explodierte das US-Schlachtschiff USS Maine im Hafen von Havanna. Die Ursache war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Brand in einem Kohlebunker. Beweise für einen spanischen Anschlag gab es nicht. Trotzdem machten die Vereinigten Staaten Spanien öffentlich verantwortlich. Die amerikanische Presse verwandelte den Vorfall in einen nationalen Skandal. „Remember the Maine“ wurde zum Schlachtruf einer aufgeheizten Öffentlichkeit. Der Vorfall lieferte den willkommenen Anlass für einen längst vorbereiteten Krieg. Denn Spanien galt als geschwächte Großmacht am Rand des Niedergangs. Sein Kolonialreich war überdehnt, schlecht verwaltet und militärisch veraltet.
Die USA sahen darin eine strategische Gelegenheit. Sie wollten nicht länger nur regionale Macht in Nordamerika sein. Der Schritt zur imperialen Weltmacht sollte jetzt erfolgen. Offiziell ging es um die Befreiung Kubas von spanischer Herrschaft. Inoffiziell ging es um Einfluss, Stützpunkte und neue Märkte. So begann die Schlacht von Manila. Der Krieg wurde nicht auf einen Schauplatz begrenzt. Während US-Truppen in der Karibik angriffen, rückte der Pazifik ins Zentrum der Planung. Die Philippinen galten als Schlüssel zu Ostasien. Dort stationierte Spanien eine veraltete und schlecht ausgerüstete Flotte. In Washington wusste man um diesen Zustand. Die Entscheidung fiel, Spanien gleichzeitig auf zwei Ozeanen herauszufordern. Der Krieg begann ohne formelle Kriegserklärung.
Was folgte, war kein langer Abnutzungskampf. Es war eine Machtdemonstration moderner Industrie- und Seestreitkräfte. Der eigentliche Wendepunkt lag nicht in Havanna. Er lag tausende Kilometer entfernt, in der Bucht von Manila.
Deweys Vormarsch im Pazifik
Während die Aufmerksamkeit der Welt auf Kuba gerichtet war, formierte sich in Hongkong ein amerikanisches Geschwader. Die US-amerikanische Asiatic Fleet stand unter dem Kommando von Kommodore George Dewey. Sein Auftrag war klar und kompromisslos. Die spanische Pazifikflotte sollte ausgeschaltet werden, bevor sie zur Gefahr werden konnte. Dewey verfügte über moderne, gut gewartete Kriegsschiffe. Zum Geschwader gehörten die geschützten Kreuzer Olympia, Baltimore, Raleigh und Boston. Ergänzt wurden sie durch die Kanonenboote Petrel und Concord. Die Besatzungen waren gut ausgebildet und intensiv trainiert. Auf spanischer Seite sah die Lage völlig anders aus.
Konteradmiral Patricio Montojo y Pasarón kommandierte eine Flotte im schlechten Zustand. Mehrere Schiffe waren veraltet, teilweise entwaffnet oder kaum noch seetüchtig. Die wichtigsten Einheiten lagen in der Bucht von Manila vor Anker. Montojo wusste, dass er einem modernen Gegner kaum standhalten konnte. Dennoch entschied er sich, den Kampf aufzunehmen. Er verlegte seine Schiffe in seichtes Wasser bei Cavite. Dort hoffte er, wenigstens die Besatzungen retten zu können. In der Nacht zum 1. Mai 1898 lief Deweys Geschwader in die Bucht ein. Spanische Seeminen explodierten, richteten aber keinen Schaden an.
Bei Tagesanbruch eröffnete die spanische Flotte das Feuer. Kurz darauf folgte Deweys berühmter Befehl; „Sie dürfen feuern, wenn bereit.“ Damit begann eine der einseitigsten Seeschlachten der Geschichte.
Imperium
Die Schlacht von Manila war militärisch schnell entschieden. Strategisch markierte sie jedoch einen historischen Wendepunkt. Innerhalb weniger Stunden wurde die spanische Pazifikflotte vollständig vernichtet. Sieben spanische Kriegsschiffe sanken, brannten aus oder mussten aufgegeben werden. Mindestens 77 spanische Seeleute starben, Hunderte wurden verwundet. Auf amerikanischer Seite gab es keinen Gefallenen durch Feindeinwirkung. Ein einziger US-Soldat starb an einem Herzinfarkt auf dem Zollkutter McCulloch. Das Kräfteverhältnis hätte deutlicher kaum sein können. Die spanische Niederlage bedeutete mehr als den Verlust einer Flotte. Sie zeigte die technologische und organisatorische Rückständigkeit eines alten Imperiums.
Spanien verlor die Kontrolle über die Philippinen faktisch an einem einzigen Morgen. Damit zerbrach der letzte Rest seiner globalen Seemacht. Für die Vereinigten Staaten begann dagegen eine neue Phase. Erstmals eroberten sie Kolonien außerhalb Nordamerikas. Die Philippinen wurden unter amerikanische Kontrolle gestellt. Auch Guam und Puerto Rico fielen an die USA. Kuba wurde zwar formell unabhängig, blieb aber faktisch unter US-Einfluss. Kurz darauf annektierten die Vereinigten Staaten auch das zuvor unabhängige Hawaii. Die Schlacht von Manila war kein Zufall, sondern ein Signal. Die USA traten offen als imperialistische Macht auf. Seemacht wurde zum Instrument weltpolitischer Gestaltung. Moderne Flotten ersetzten Diplomatie und Tradition.
Der Sieg von Manila legitimierte diese neue Rolle. Er machte George Dewey zum Nationalhelden. Vor allem aber machte er klar, dass ein neues Imperium entstanden war.
Cavite brennt
Der eigentliche Kampf begann im Morgengrauen des 1. Mai 1898. Deweys Geschwader lief in einer Linie an den spanischen Schiffen vorbei. Die amerikanischen Kreuzer nutzten ihre überlegene Reichweite und Feuergeschwindigkeit. Salve um Salve traf die vor Anker liegenden spanischen Einheiten. Die Reina Cristina, Montojós Flaggschiff, geriet früh in Brand.Auch der Kreuzer Castilla wurde schwer getroffen und brannte aus. Mehrere spanische Schiffe waren nur noch schwimmende Batterien. Ihre hölzernen Aufbauten boten kaum Schutz gegen moderne Granaten. Die amerikanischen Schiffe wendeten wiederholt. Abwechselnd feuerten sie mit Backbord- und Steuerbordgeschützen. Dieses Manöver wurde insgesamt fünf Mal durchgeführt. Mit jeder Runde verringerte sich die Entfernung zum Gegner.
Die spanische Gegenwehr blieb mutig, aber wirkungslos. Viele Geschütze fielen durch Treffer oder technische Defekte aus. Gegen 7:45 Uhr zog sich das US-Geschwader kurzzeitig zurück. Ein Munitionsmangel wurde befürchtet, bestätigte sich jedoch nicht. Am späten Vormittag nahmen die Amerikaner den Angriff wieder auf. Gegen 12:40 Uhr signalisierten die Spanier ihre Aufgabe. Die Küstenbatterien von Cavite wurden anschließend beschossen. Ein Treffer ließ das Arsenal explodieren. Damit brach auch der letzte organisierte Widerstand zusammen. Die spanische Flotte existierte nicht mehr.
Die Bucht, in der die Schlacht von Manila stattfand, stand vollständig unter amerikanischer Kontrolle. Der Sieg war vollständig, eindeutig und unumkehrbar.
Vom spanischen Weltreich zur amerikanischen Weltmacht
Mit der Niederlage in der Bucht von Manila verlor Spanien mehr als Schiffe und Soldaten. Der Krieg besiegelte das Ende eines Weltreichs, das über Jahrhunderte Bestand gehabt hatte. Spanien wurde auf das Mutterland, einige Inseln und wenige Besitzungen in Nordafrika reduziert. Der Traum von einer globalen Seemacht war endgültig vorbei. Die Philippinen gingen faktisch verloren, noch bevor Friedensverhandlungen begannen. Auch in der Karibik brach die spanische Stellung rasch zusammen. Der Spanisch-Amerikanische Krieg dauerte nur wenige Monate. Seine geopolitischen Folgen wirkten jedoch Jahrzehnte nach. Die Vereinigten Staaten traten aus dem Schatten Europas heraus.
Sie verfügten nun über Stützpunkte in der Karibik und im Pazifik. Damit kontrollierten sie erstmals strategische Seewege auf zwei Ozeanen.
Die neue Rolle wurde nicht versteckt, sondern selbstbewusst angenommen. Seemacht wurde zum Kern amerikanischer Außenpolitik. Der Sieg von Manila diente als Blaupause. Technologische Überlegenheit und industrielle Kapazität entschieden den Krieg. Kolonien wurden nicht mehr erobert, um sie zu verwalten, sondern um Macht zu projizieren. Auf den Philippinen folgte auf Spanien jedoch kein Frieden.
Ein blutiger Unabhängigkeitskrieg gegen die USA begann. Die Befreiung entpuppte sich für viele als Herrschaftswechsel.
George Dewey wurde in den Rang eines Admiral of the Navy erhoben. Diese Würde erhielt sonst niemand in der Geschichte der US-Marine.
Die Schlacht von Manila wurde zum Mythos. Sie markierte den Moment, in dem Amerika zur Weltmacht wurde.

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